Der Browser bricht ab und meldet "Zu viele Weiterleitungen" - in Chrome als ERR_TOO_MANY_REDIRECTS, in Firefox als "Die Seite leitet nicht ordnungsgemäß weiter um". Dahinter steckt fast immer dasselbe Problem: eine Weiterleitungsschleife. Zwei Regeln schicken den Browser endlos zwischen zwei Adressen hin und her, bis er nach etwa 20 Sprüngen aufgibt. Die gute Nachricht: Die Ursache liegt meist an einer von wenigen typischen Stellen, und mit den richtigen Handgriffen ist der Fehler in wenigen Minuten behoben. Dieser Artikel zeigt dir beide Perspektiven - was du als Besucher einer fremden Seite tun kannst und wie du als Betreiber die Schleife findest und dauerhaft schließt.
Was ERR_TOO_MANY_REDIRECTS bedeutet
Eine Weiterleitung ist eine völlig normale Sache: Der Server sagt dem Browser "diese Adresse gibt es nicht mehr hier, geh stattdessen dorthin". Der Browser folgt und lädt die neue Adresse. Das passiert bei fast jedem Seitenaufruf mindestens einmal, etwa wenn du eine Seite ohne https aufrufst und automatisch auf die verschlüsselte Version umgeleitet wirst.
Zum Fehler wird das erst, wenn die Kette kein Ende findet. Adresse A leitet auf Adresse B, und B leitet zurück auf A. Der Browser springt A, B, A, B, A und merkt irgendwann, dass er sich im Kreis dreht. Um nicht ewig weiterzumachen, bricht er nach einer festgelegten Zahl von Sprüngen ab - bei Chrome und Firefox nach etwa 20 Weiterleitungen. Statt einer Seite siehst du dann die Fehlermeldung. Man spricht von einer Weiterleitungsschleife oder englisch von einem "redirect loop".
Wichtig zu verstehen: Der Browser ist nicht kaputt und dein Rechner auch nicht. Die Schleife entsteht auf dem Server oder in dessen Konfiguration - oder, seltener, durch alte Cookies auf deiner Seite. Deshalb hilft es oft schon, den Fehler von zwei Seiten anzugehen: einmal die schnellen Besucher-Handgriffe, einmal die gründliche Ursachensuche für Betreiber.
Die Fehlermeldung je nach Browser
Der Fehler heißt in jedem Browser ein bisschen anders, gemeint ist aber immer dieselbe Schleife. Diese Übersicht hilft beim Zuordnen:
| Browser | Meldung | Fehlercode |
|---|---|---|
| Chrome, Edge, Brave | Diese Seite funktioniert nicht - hat Sie zu oft weitergeleitet | ERR_TOO_MANY_REDIRECTS |
| Firefox | Die Seite leitet nicht ordnungsgemäß weiter um | Umleitungsfehler |
| Safari | Zu viele Weiterleitungen aufgetreten | - |
| Serverseitig (Logs) | redirect loop, redirect cycle detected | HTTP 310 (intern) |
Alle diese Meldungen bedeuten dasselbe. Der Code ERR_TOO_MANY_REDIRECTS ist am bekanntesten, weil Chrome der meistgenutzte Browser ist. Firefox nennt es "Umleitungsfehler", was einige zusätzlich verwirrt, weil der Begriff so allgemein klingt. Der Kern ist überall identisch: zu viele Sprünge, kein Ziel in Sicht.
Sofortmaßnahmen als Besucher
Wenn du nur eine fremde Seite besuchen willst und diesen Fehler bekommst, kannst du das Problem selbst nicht wirklich lösen - es liegt am Server. Ein paar Handgriffe helfen aber, falls die Ursache auf deiner Seite liegt (alte Cookies) oder falls du nur schnell an den Inhalt kommen willst:
- Cookies der Seite löschen: In vielen Fällen hält ein veraltetes Cookie die Schleife am Leben, etwa ein Login- oder Zustimmungs-Cookie. Lösche gezielt die Cookies der betroffenen Domain (in Chrome über das Schloss-Symbol links neben der Adresse, dann Cookies und Websitedaten) und lade neu.
- Inkognito-Fenster testen: Ein privates Fenster startet ohne deine gespeicherten Cookies. Lädt die Seite dort normal, war ein altes Cookie schuld - dann reicht das Löschen der Cookies im normalen Fenster.
- Anderen Browser probieren: Bestätigt, ob der Fehler an deinem Browserprofil oder wirklich am Server liegt. Tritt er überall auf, ist der Server dran.
- Browser-Cache leeren: Weiterleitungen mit Statuscode 301 werden vom Browser hart zwischengespeichert. Ein alter, falscher 301 kann so hängenbleiben, auch wenn der Server längst korrigiert wurde. Cache leeren räumt das auf.
Bringt nichts davon Erfolg und du bist nicht der Betreiber, hilft nur Abwarten oder ein kurzer Hinweis an den Seitenbetreiber. Für alle, die die Seite selbst betreiben, geht es jetzt an die eigentliche Ursache.
Ursache 1: Die http-https-Schleife
Der mit Abstand häufigste Auslöser. Nach dem Umstellen auf ein SSL-Zertifikat leitet der Server jede http-Anfrage auf https um - das ist richtig und gewollt. Zur Schleife wird es, wenn gleichzeitig eine zweite Stelle das Gegenteil tut oder der Server die verschlüsselte Anfrage gar nicht als verschlüsselt erkennt.
Typisches Muster: Deine .htaccess erzwingt https. Der Server steht aber hinter einem Loadbalancer oder Proxy, der die Anfrage intern per http an Apache weitergibt. Apache sieht also "http", leitet auf https um, der Proxy nimmt die Anfrage entgegen, gibt sie wieder als http weiter - und schon dreht sich alles im Kreis. Die Prüfung auf %{HTTPS} schlägt fehl, weil Apache die Verschlüsselung nie zu sehen bekommt.
Die Lösung ist, in solchen Umgebungen nicht auf %{HTTPS}, sondern auf den Header X-Forwarded-Proto zu prüfen, den der Proxy setzt:
RewriteEngine On
RewriteCond %{HTTP:X-Forwarded-Proto} !https
RewriteCond %{HTTPS} off
RewriteRule ^ https://%{HTTP_HOST}%{REQUEST_URI} [L,R=301]
Steht kein Proxy dazwischen, reicht die klassische Regel mit RewriteCond %{HTTPS} off. Die Details und weitere Varianten stehen im Artikel zur HTTP-zu-HTTPS-Weiterleitung. Wichtig ist nur: Es darf immer nur eine Stelle geben, die die Richtung http zu https festlegt. Zwei sich widersprechende Regeln ergeben die Schleife.
Ursache 2: Die www-Schleife
Genauso häufig und im Kern dasselbe Problem, nur mit dem Hostnamen statt dem Protokoll. Eine Regel leitet example.de auf www.example.de um, eine andere Stelle leitet www.example.de zurück auf example.de. Ergebnis: endloses Hin und Her.
Solche Doppelregeln entstehen leicht, wenn du eine www-Weiterleitung in der .htaccess stehen hast und gleichzeitig im CMS oder beim Hoster noch eine gegenläufige Domain-Weiterleitung eingerichtet ist. Auch ein SEO-Plugin, das die kanonische Domain erzwingt, kann gegen deine htaccess-Regel arbeiten.
Entscheide dich für eine kanonische Variante - mit oder ohne www - und sorge dafür, dass nur eine einzige Regel diese Richtung durchsetzt. Welche Variante die bessere ist und worauf du dabei achten musst, klärt der Artikel zur Frage Domain mit oder ohne www. Eine saubere Regel, die www erzwingt, sieht so aus:
RewriteEngine On
RewriteCond %{HTTP_HOST} !^www\. [NC]
RewriteRule ^ https://www.%{HTTP_HOST}%{REQUEST_URI} [L,R=301]
Prüfe danach unbedingt, ob an anderer Stelle - Hoster-Panel, CMS-Einstellung, Plugin - noch eine Regel in die Gegenrichtung existiert. Genau diese Kombination ist der Klassiker.
Ursache 3: Die Cloudflare-Falle
Wer Cloudflare oder einen ähnlichen Dienst vor die Seite schaltet, tappt oft in dieselbe Falle. Cloudflare bietet einen SSL-Modus namens "Flexible". In diesem Modus verschlüsselt Cloudflare die Verbindung nur zwischen Besucher und Cloudflare - zum eigentlichen Server läuft die Anfrage aber unverschlüsselt per http.
Wenn dein Server jetzt jede http-Anfrage auf https umleitet, entsteht die Schleife: Cloudflare schickt http an den Server, der Server antwortet mit "geh auf https", Cloudflare fragt erneut an - wieder per http, weil "Flexible" so arbeitet. Kein Ausweg.
Die Lösung: Stelle den SSL-Modus in Cloudflare von "Flexible" auf "Full" oder besser "Full (strict)" um. Voraussetzung ist ein gültiges Zertifikat auf deinem Server, was heute Standard ist. Ab dann läuft auch die Strecke Cloudflare zu Server verschlüsselt, deine https-Weiterleitung sieht korrektes https und die Schleife verschwindet. Diese eine Einstellung ist bei Cloudflare-Nutzern die häufigste Ursache überhaupt.
Ursache 4: WordPress-Site-URL und Plugins
Bei WordPress gibt es mehrere hausgemachte Schleifen. Die erste betrifft die beiden Adressfelder unter Einstellungen, "WordPress-Adresse (URL)" und "Website-Adresse (URL)". Stehen die auf http, während der Server auf https umleitet, dreht sich WordPress im Kreis: Der Server erzwingt https, WordPress baut aber intern wieder http-Links und Weiterleitungen. Beide Felder müssen dieselbe Adresse tragen, die auch tatsächlich ausgeliefert wird - inklusive https und der richtigen www-Variante.
Kommst du wegen der Schleife nicht mehr ins Backend, kannst du die Werte fest in der wp-config.php setzen. Diese Zeilen überschreiben die Datenbank-Einstellung:
define('WP_HOME', 'https://www.example.de');
define('WP_SITEURL', 'https://www.example.de');
Die zweite typische WordPress-Ursache sind Plugins. Redirect-Manager wie "Redirection", SSL-Plugins wie "Really Simple SSL" oder Caching-Plugins mit eigenen Weiterleitungsregeln können gegen deine htaccess arbeiten. Deaktiviere im Verdachtsfall testweise alle Weiterleitungs- und SSL-Plugins und prüfe, ob die Seite wieder lädt. Findet sich der Übeltäter nicht auf Anhieb, hilft die allgemeine Notfall-Diagnose im Artikel WordPress reparieren weiter.
Ursache 5: Fehlerhafte Regeln in der .htaccess
Manchmal liegt es schlicht an einer selbst geschriebenen Weiterleitung, die zu weit greift. Ein klassischer Fehler ist eine Regel, deren Ziel auch wieder auf die Regel selbst passt. Leitest du zum Beispiel /blog auf /blog/ um, ohne die Bedingung sauber einzugrenzen, kann der Server die neue Adresse erneut auf sich selbst umleiten.
Auch eine vergessene alte Regel aus einer früheren Umstrukturierung kann mit einer neuen kollidieren. Gerade in über Jahre gewachsenen htaccess-Dateien stapeln sich Weiterleitungen, die niemand mehr überblickt. Wenn zwei davon dieselbe URL betreffen und in unterschiedliche Richtungen zeigen, ist die Schleife da.
Das systematische Vorgehen: Kommentiere in der .htaccess testweise alle RewriteRule- und Redirect-Zeilen aus (ein # an den Zeilenanfang) und schalte sie einzeln wieder scharf. So findest du die Regel, die die Schleife auslöst, in wenigen Minuten. Grundlagen und weitere Beispiele zu diesen Regeln findest du in der htaccess-Anleitung.
Ursache 6: Widersprüchliche 301-Ketten
Weiterleitungen dürfen aufeinander folgen - eine kurze Kette von einer alten auf eine mittlere auf die aktuelle URL ist unschön, aber kein Fehler. Zur Schleife wird sie erst, wenn das letzte Glied wieder auf ein früheres zeigt. Das passiert oft nach mehreren URL-Umzügen, bei denen jede Migration eine neue Regel hinterlassen hat.
Ein weiterer Auslöser sind falsch gesetzte Canonical-Tags in Kombination mit serverseitigen Weiterleitungen. Zeigt der Canonical-Tag einer Seite auf eine URL, die per 301 wieder auf die Ausgangsseite umleitet, geraten Crawler und teils auch Browser in Konflikt. Halte die Kette so kurz wie möglich: Jede alte URL sollte in genau einem Sprung auf ihr endgültiges Ziel zeigen. Wie du saubere, SEO-sichere Ketten aufbaust, steht in den Artikeln zur 301-Weiterleitung und SEO und zur Weiterleitungsstrategie.
Die Schleife finden: Diagnose
Bevor du blind Regeln änderst, lohnt es sich, die Schleife sichtbar zu machen. Es gibt drei zuverlässige Wege, die dir genau zeigen, zwischen welchen Adressen der Browser hin und her springt.
1. Der Redirect-Checker. Am schnellsten geht es mit einem Werkzeug, das die komplette Weiterleitungskette Schritt für Schritt anzeigt. Gib die betroffene Adresse in den Redirect-Checker ein und du siehst jede Station mit Statuscode. Taucht dieselbe URL zweimal auf oder springt die Kette zwischen zwei Adressen, hast du die Schleife schwarz auf weiß.
2. Die Entwicklertools des Browsers. Öffne mit F12 die Entwicklertools und wechsle auf den Reiter "Netzwerk" (Network). Lade die Seite neu und beobachte die Liste der Anfragen. Bei einer Schleife siehst du dieselbe URL immer wieder mit dem Status 301 oder 302, bis der Browser abbricht. Ein Klick auf eine Anfrage zeigt dir den Location-Header, also das jeweilige Sprungziel.
3. Die Kommandozeile mit curl. Wer einen Terminal-Zugang hat, sieht die Kette mit einem einzigen Befehl. curl -IL https://www.example.de folgt allen Weiterleitungen und listet jeden Sprung mit Statuscode und Ziel. Der Parameter -I holt nur die Header, -L folgt den Weiterleitungen. Auch hier verrät eine sich wiederholende Adresse sofort die Schleife.
So verhinderst du Schleifen dauerhaft
Die meisten Weiterleitungsschleifen lassen sich mit einer einfachen Grundregel vermeiden: Für jede Entscheidung - http oder https, mit oder ohne www - darf es genau eine zuständige Stelle geben. Nicht die htaccess und zusätzlich das CMS. Nicht Cloudflare und zusätzlich der Server. Sobald zwei Stellen dieselbe Sache regeln, riskierst du, dass sie sich widersprechen.
Bündele deshalb Protokoll- und Hostnamen-Weiterleitung idealerweise in einer einzigen, sauber sortierten .htaccess. Setze zuerst die https-Erzwingung, dann die www-Entscheidung, und lass beide Regeln mit [L,R=301] enden, damit sie sich nicht gegenseitig erneut auslösen. Prüfe nach jeder Änderung mit dem Redirect-Checker, dass eine frisch aufgerufene Adresse in höchstens ein bis zwei Sprüngen am Ziel ankommt. Wer neue Weiterleitungen ergänzt, sollte immer kurz gegenprüfen, ob das Ziel nicht selbst wieder umgeleitet wird - dieser eine Blick erspart die meisten Schleifen.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet ERR_TOO_MANY_REDIRECTS?
Der Fehler bedeutet, dass der Browser in einer Weiterleitungsschleife feststeckt. Zwei Regeln schicken ihn endlos zwischen zwei Adressen hin und her. Nach etwa 20 Sprüngen bricht der Browser ab und zeigt statt der Seite die Fehlermeldung. Die Ursache liegt fast immer auf dem Server oder in dessen Konfiguration, nicht an deinem Rechner.
Wie behebe ich zu viele Weiterleitungen als Besucher?
Lösche die Cookies der betroffenen Seite, teste die Seite in einem Inkognito-Fenster und leere den Browser-Cache. Lädt die Seite im privaten Fenster normal, war ein altes Cookie schuld. Bleibt der Fehler, liegt er am Server und nur der Betreiber kann ihn beheben.
Warum passiert das nach der SSL-Umstellung?
Weil dann zwei Stellen das Protokoll regeln können. Erzwingt deine htaccess https, während ein Proxy oder Cloudflare im Modus "Flexible" die Anfrage weiter als http an den Server gibt, entsteht die Schleife. Die Lösung ist, den Cloudflare-SSL-Modus auf "Full" zu setzen oder in der htaccess auf den Header X-Forwarded-Proto zu prüfen statt auf HTTPS.
Wie finde ich heraus, welche Regel die Schleife auslöst?
Gib die Adresse in einen Redirect-Checker ein, der die komplette Kette anzeigt. Taucht dieselbe URL zweimal auf, hast du die Schleife gefunden. Alternativ zeigt der Netzwerk-Reiter der Browser-Entwicklertools (F12) jede Weiterleitung mit ihrem Location-Ziel, ebenso der Befehl curl -IL im Terminal.
Was tun, wenn ich wegen der Schleife nicht mehr ins WordPress-Backend komme?
Setze WP_HOME und WP_SITEURL fest in der wp-config.php mit der korrekten https-Adresse. Diese beiden define-Zeilen überschreiben die Datenbank-Einstellung und brechen die Schleife auf. Danach kommst du wieder ins Backend und kannst verdächtige Plugins wie Redirection oder SSL-Tools deaktivieren.
Ist eine Weiterleitungskette immer ein Fehler?
Nein. Mehrere aufeinanderfolgende Weiterleitungen sind erlaubt, solange die Kette an einem Ziel endet. Unschön für SEO, aber kein Fehler. Zur Schleife wird sie erst, wenn das letzte Glied wieder auf ein früheres zeigt. Halte Ketten trotzdem kurz: Jede alte URL sollte in einem Sprung auf ihr endgültiges Ziel führen.