Der HTTP-Statuscode 301 steht für "Moved Permanently" - dauerhaft verschoben. Wenn du eine URL änderst, eine Seite löschst oder eine komplette Domain umziehst, teilt die 301-Weiterleitung Browsern und Suchmaschinen mit: Diese Adresse gibt es nicht mehr, der Inhalt liegt jetzt woanders.
Für SEO ist das entscheidend. Ohne korrekte Weiterleitung verlierst du Backlinks, Rankings und organischen Traffic. Mit einer sauber eingerichteten 301 überträgst du nahezu die gesamte Linkkraft auf die neue URL.
Was genau passiert bei einer 301-Weiterleitung?
Wenn ein Browser oder Crawler eine URL aufruft, antwortet der Server mit einem Statuscode. Bei einer 301 sagt der Server: "Diese Ressource ist dauerhaft unter einer neuen Adresse erreichbar. Aktualisiere deine Verweise." Der Browser folgt automatisch zur neuen URL. Der Nutzer bemerkt davon nichts - er landet einfach auf der richtigen Seite.
Technisch gesehen sendet der Server im HTTP-Header den Statuscode 301 zusammen mit einem Location-Header, der die Ziel-URL enthält:
HTTP/1.1 301 Moved Permanently
Location: https://www.beispiel.de/neue-seite/
Google behandelt eine 301 als klares Signal: Die alte URL wird aus dem Index entfernt, die neue übernimmt deren Position. Backlinks, die auf die alte Adresse zeigen, werden der neuen zugeordnet.
Warum ist die 301 für SEO so wichtig?
Jede URL baut im Laufe der Zeit SEO-Wert auf. Externe Websites verlinken darauf, Nutzer teilen sie in sozialen Netzwerken, Google bewertet die Relevanz anhand verschiedener Signale. Wenn du diese URL ohne Weiterleitung löschst, geht das alles verloren.
Eine 301-Weiterleitung überträgt diese Signale. Google hat 2016 bestätigt, dass 301-Redirects keinen PageRank mehr verlieren - die Linkkraft wird vollständig weitergegeben. Das war früher anders: Bis etwa 2016 ging man von einem Verlust von rund 15% aus.
Konkret heißt das:
- Backlinks bleiben wirksam. Externe Links auf die alte URL zählen für die neue.
- Rankings werden übertragen. Die neue Seite steigt dort ein, wo die alte stand.
- Kein Duplicate Content. Google weiß, welche URL die gültige ist.
- Nutzer landen nicht im Leeren. Statt einer 404-Fehlerseite sehen sie den gewünschten Inhalt.
Typische Einsatzfälle
Die 301-Weiterleitung kommt immer dann zum Einsatz, wenn sich eine URL dauerhaft ändert. Das passiert öfter, als viele denken:
- Website-Relaunch: Neue URL-Struktur, geändertes CMS, andere Pfade.
- Domain-Wechsel: Alle URLs der alten Domain auf die neue umleiten.
- HTTPS-Umstellung: HTTP-Aufrufe per 301 auf die verschlüsselte Version weiterleiten.
- Zusammenlegung von Inhalten: Zwei Seiten werden zu einer zusammengeführt.
- Korrektur von Tippfehlern: Falsch geschriebene URLs auf die korrekte Schreibweise umleiten.
- Entfernen von Dateiendungen: /seite.html wird zu /seite/.
- www-Vereinheitlichung: www.beispiel.de und beispiel.de auf eine Version vereinen.
301 vs. 302 - der entscheidende Unterschied
Neben der 301 gibt es die 302-Weiterleitung (Found/Temporary Redirect). Der Unterschied klingt klein, hat aber große Auswirkungen auf SEO:
- 301 (Permanent): Die alte URL existiert nicht mehr. Google entfernt sie aus dem Index und überträgt alle Signale auf die neue Adresse.
- 302 (Temporär): Die alte URL existiert noch. Google behält sie im Index und überträgt keine Linkkraft.
Wenn du eine Seite dauerhaft verschiebst und versehentlich eine 302 verwendest, passiert Folgendes: Google indexiert weiterhin die alte URL, behandelt die neue als temporäre Kopie und überträgt keine Backlink-Power. Dein Ranking kann dadurch einbrechen.
Daneben gibt es noch den 307-Redirect (Temporary Redirect) und den 308 (Permanent Redirect). Der 308 ist das strikte Äquivalent zur 301, behält aber die HTTP-Methode bei (POST bleibt POST). Für normale Websites ist die 301 nach wie vor die richtige Wahl.
So richtest du eine 301-Weiterleitung ein
Per .htaccess (Apache)
Die gängigste Methode auf Apache-Servern ist die .htaccess-Datei. Eine einzelne Seite leitest du so um:
RewriteEngine On
RewriteRule ^alte-seite/$ /neue-seite/ [R=301,L]
Für einen kompletten Domain-Wechsel:
RewriteEngine On
RewriteCond %{HTTP_HOST} ^(www\.)?alte-domain\.de$ [NC]
RewriteRule (.*) https://www.neue-domain.de/$1 [R=301,L]
Wichtig: Setze immer explizit R=301. Ohne die Angabe des Statuscodes verwendet Apache standardmäßig einen 302-Redirect.
Per PHP
In PHP setzt du den Header vor jeglicher Ausgabe:
<?php
header("HTTP/1.1 301 Moved Permanently");
header("Location: https://www.beispiel.de/neue-seite/");
exit;
Der exit-Befehl ist wichtig. Ohne ihn führt PHP den Rest des Scripts weiter aus, obwohl der Browser schon umgeleitet wurde.
Per Nginx
In der Nginx-Konfiguration sieht eine 301-Weiterleitung so aus:
server {
listen 80;
server_name alte-domain.de www.alte-domain.de;
return 301 https://www.neue-domain.de$request_uri;
}
Häufige Fehler bei 301-Weiterleitungen
Redirect-Ketten
Seite A leitet auf Seite B, Seite B auf Seite C, Seite C auf Seite D. Jeder Zwischenschritt kostet Crawl-Budget und verzögert die Übertragung der Linkkraft. Google folgt zwar bis zu 10 Weiterleitungen, aber bei langen Ketten kann Linkpower verloren gehen. Leite immer direkt von der alten auf die finale URL um.
Redirect-Schleifen
Seite A leitet auf Seite B, Seite B leitet zurück auf A. Der Browser bricht nach einigen Versuchen ab und zeigt eine Fehlermeldung. Google kann die Seite nicht crawlen. Teste nach jeder Änderung, ob die Weiterleitung sauber durchläuft.
302 statt 301
Wie oben beschrieben: Eine temporäre Weiterleitung bei einem permanenten Umzug verhindert die Übertragung von SEO-Signalen. Prüfe den Statuscode immer mit einem HTTP-Header-Tool.
Weiterleitung auf die Startseite
Wenn du 50 Unterseiten per 301 auf die Startseite umleitest, behandelt Google das als sogenannten "Soft 404". Die Linkkraft geht verloren, weil der Inhalt offensichtlich nicht zur Ziel-URL passt. Leite Seiten immer auf thematisch passende Inhalte um.
301-Weiterleitung prüfen
Nach dem Einrichten solltest du den Redirect testen. Dafür gibt es mehrere Wege:
- Browser-Devtools: Netzwerk-Tab öffnen, alte URL aufrufen, Statuscode prüfen.
- curl auf der Kommandozeile:
curl -I https://www.beispiel.de/alte-seite/zeigt den Response-Header. - Google Search Console: Unter "URL-Prüfung" siehst du, ob Google die Weiterleitung erkennt.
- Screaming Frog: Crawlt die gesamte Website und listet alle Redirects mit Statuscode.
In der Google Search Console erkennst du außerdem, ob die alte URL bereits aus dem Index entfernt wurde und die neue an ihrer Stelle steht.
Wie lange muss eine 301 bestehen bleiben?
Google empfiehlt, 301-Weiterleitungen mindestens ein Jahr aktiv zu lassen. Danach hat der Crawler die Änderung vollständig verarbeitet. In der Praxis schadet es nicht, Weiterleitungen dauerhaft bestehen zu lassen - sie kosten kaum Server-Ressourcen und fangen verspätete Zugriffe über alte Bookmarks oder externe Links ab.
Bei einem Domain-Wechsel solltest du die alte Domain so lange wie möglich behalten und die Weiterleitungen darauf laufen lassen. Sobald du die Domain aufgibst, verlierst du alle Backlinks, die noch auf die alte Adresse zeigen.
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