Etwa 4.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung schrieben die Sumerer auf kleinen Tontafeln die sicherlich ersten Schriftzeichen. „Keilschrift“ nannten Wissenschaftler schließlich diese sumerische Bilderschrift. Rund 30.000 Jahre früher entstanden bereits die ersten Graffitis in der Chauvet-Höhle im französschen Département Ardèche. Bilder von Löwen, Nashörner, Eulen und Pferde; alles wichtige Dinge aus dem Alltag unserer Vorfahren und für uns ein Blick in die Vergangenheit.

Die Ägypter meißelten irgendwann Hieroglyphen in den Sandstein und schrieben auf Papyrus. Die Mayas machten es ihnen im präkolumbischen Amerika nach und auch in China halten sich Schriftzeichen bis heute. In Europa kopierten im Mittelalter Mönche ihr Leben lang Bücher per Hand und beherrschten das Schreiben mit Feder und Tinte in lateinischer Schrift.

Erfindungen wie der Buchdruck ließen die Federn allmählich verschwinden. Bleistift, Füllfederhalter, Schiefertafel und Kreide verlangten aber noch immer das Schreiben von Hand. Erste Schreibmaschinen im 19. Jahrhundert veränderten das Schriftbild. Mit dem Einzug der Computertechnik in die Büros Mitte / Ende des 20. Jahrhunderts, und spätestens seit der Zeit den ersten Homecomputern, wurde das Schreiben auf einer Tastatur immer selbstverständlicher.

Schreiben im heutigen Alltag

Heute kommt in Deutschland wohl kaum noch jemand um eine Tastatur herum. Viele sicherlich am PC, aber auch ein T9 am Handy oder die Smartphone-Tastaturen sind millionenfach in Gebrauch. Getippt wird immer und überall (das nervt!).
Und wer weiß, vielleicht ersetzt die jüngere Schwester von Siri auch irgendwann dieses Eingabegerät durch unsere Stimme. Eine Generation der Human Interface Devices später lacht man sicherlich über die Sprachsteuerung und nutzt neuronale Gedankenwellen zum Verfassen eines neuen Artikels für das Gemeinsamen Bloggen im World Wide Web.

Wie auch immer! Eigentlich soll es in diesem Artikel und die Frage der Woche beim aktuellen Webmaster Friday gehen:

Schreibt ihr noch analog oder tippt ihr nur?

Nein, Ich schreibe nicht mehr analog!

Ich nutze also keinen Stift zum Verfassen eines Briefs, den ich üblicher Weise E-Mail nenne, und schreibe praktisch alles mit einer Tastatur. Manchmal mache ich mir Notizen bei Projekt-Besprechungen oder am Telefon auf einem Blatt Papier. Auch einen Einkaufszettel habe ich lieber auf einem Stück Ex-Holz.
Aber sobald ich für mich eine praktikable EinkaufszettelApp entdeckt habe, ist wohl auch dies vorbei.

Aber sonst würde ich behaupten, dass handschriftliche Ergüsse meinerseits praktisch ausgestorben sind. Formulare verlangen ab und an mal noch das Ausfüllen einiger kurzer Passagen. Das ärgert mich dann aber fast schon, dass ich diese Buchstaben nicht vom Handy aus irgendwie auf einem solchen Blatt Papier einbrennen kann.

Ich schreibe nicht gern mit der Hand

Viele behaupten zwar, dass ich ein super Handschrift hätte. Doch ein paar Zeilen in Schönschrift empfinde ich bereits als extrem anstrengend und dann ärgern mich kleinste Abweichungen im eigenen Schriftbild, die mir in Verdana oder Times nicht passiert wären.
Dann fehlt mir das einfache Löschen der Texte, das Umkopieren ganzer Sätze und die Unterstreichungen bei Schreibfehlern. Ich bin definitiv ein Tastatur-Junky. Abhängig von QWERTZ, ALT GR + Q und meiner Cherry-Tastatur, deren 104 Tasten leise im Tackt meiner Anschläge musizieren.

Vielleicht werde ich, wenn die Facebook-Gruppe der SEO Ü40 in SEO Ü60 umbenannt wurde, einen Kalligrafie-Kurs an der VHS besuchen und mich dann verfluchen, warum ich die ganzen Jahre alles an der bekloppten Tastatur gemacht habe. Aber bis dahin wird fleißig weiter getippt was das Stück Plastik aushält. Für mich kommt das Schreiben per Hand im Alltag nur sehr selten vor – und ich vermisse es auch nicht.

Kinderhände malen und schreiben (natürlich)

Schriftprobe

Schriftprobe

Meine Kinder, zumindest bisher eins davon, muss in der Schule natürlich mit einem Stift – ich weiß gar nicht genau wie sich diese Mischung aus Kugelschreiber und Dingens nennt – schreiben. Auch mein noch nicht schulpflichtiges Kind 2.0 malt Großpackungen an Buntstiften leer und schreibt die ersten Buchstaben verkrampft in Zeitlupe. Das Ziehen am Angry Birds Katapult wirkt dagegen oft schon eleganter.

Aber die Handschrift halte ich für richtig und wichtig bei unseren Kindern. Ich hoffe, dass Kinder nicht irgendwann in der 1. Klasse am Touchscreen-Monitor Buchstaben und Zahlen lediglich antippen bzw. auf eine dafür vorgesehen Fläche ziehen. Stifte als Icons, die noch irgendwie an Früher erinnern, anstupsen und wir vor lauter Bäumen kein Rechenzentrum mehr sehen, nur weil niemand mehr Papier ver(sch)wendet.

Gut, fürs große Geschäft auf dem Klo wirds wohl auch künftig eine App schwer haben sich durchzusetzen! Obwohl „kackapp.de“ … ist leider schon weg :-(

Kind 1.0 ist mit 12 Jahren natürlich bereits bestens auf einer Cherry-Tastatur unterwegs. Zumindest dann, wenn bei Assassins Creed 3 von Armbrust auf Nahkampf gewechselt werden muss oder eine Linkskurve in Need for Speed World mit einem gefühlvollen Slide nur mit der Taste [X] möglich ist. Da muss ich nun wieder passen und würde vermutlich einen Joystick bevorzugen.

Mein Fazit

Ich denke die Handschrift wird aussterben. Vielleicht lassen sich irgendwann Handschreiber im Fernsehen oder auf einem sommerlichen „20. Jahrhundert-Markt“ bestaunen. In etwa so, wie wir heute einen Korbflechter, Schnellzeichner oder Feuer-Jongleur ungläubig bewundern.

Wie handhabt ihr das? Schreibt ihr noch Briefe oder Texte auf Papier? Tippt doch einfach ein paar Infos dazu ins Kommentarfeld weiter unten.